Stefan Gottschling: Werbetexten. Das Trainingsbuch.

Texten heißt ständig trainieren. Besonders in Zeiten des „Denglish-Textens“.

Ein Texter soll das Fachbuch eines Texter-Kollegen rezensieren? Was kommt dabei heraus? In diesem Falle – sozusagen zum Einstieg in das Thema – zwei Geschichten aus meiner Texter-Historie.

Die erste Story ist kurz, sie ist mir jedoch im Gedächtnis haften geblieben wie alter Kaugummi an der Fußsohle. Mein erster Texter-Chef war – um es höflich auszudrücken – ein widerlicher Kerl; er nahm das Papier, auf dem ich meinen Textvorschlag geschrieben hatte immer mit spitzen Fingern entgegen, zauberte ein höhnisches Grinsen in sein Gesicht und kommentierte meine Headlines, Slogans und Fließtexte mit folgenden Worten: „Was Besseres hast nicht?“ Daraufhin lieferte ich 5 – 8 weitere Textfassungen nach (oft in Nachtarbeit) bis er endlich zufrieden war. Seine Zufriedenheit äußerte er stets im Brüllton: „Ich habs Dir doch schon tausendmal gesagt: Der Text ist das Wichtigste. Und die Grafik-Fuzzies hamm eh keine Ahnung“.

Wenig später hatte mich dieser Chef in die Selbstständigkeit getrieben, mein zweiter Kunde, Karl Meinetshuber mit Namen, hatte einen anderen Spleen: Er hasste es, Texte lesen zu müssen. „Das liest eh keiner, das Geschreibsel ist auch zu lang“, so seine fest-betonierte Meinung. Also musste ich ständig Überzeugungsarbeit für meine Texte leisten; eine mühsame Arbeit und ein Zeitaufwand jenseits jeglicher Kalkulation. Klar, das ging mir auf den Senkel und deshalb hatte ich eine Idee. Eines Tages ging ich ohne Voranmeldung an zwei Vorzimmerdamen vorbei in sein Büro und schlug ihm eine Wette vor: „Ich wette mit Ihnen um ein Monatshonorar, dass Sie einen ganzseitigen Text von mir ohne Unterbrechung mindestens zweimal lesen werden!“ Ich sah die DM-Scheine in seinen Augen aufblinken. Er hievte seinen schweren Körper hinter dem Eichenschreibtisch hoch, zerquetschte mir die Hand, und grinste bräsig: „Die Wette gilt. Wann liefern Sie?“ Drei Tage später schickte ich den Text per Boten in seine Firma. Die Headline lautete: “Lesen Sie hier die volle Wahrheit über Karl Meinetshuber“. Das Ende der Geschichte: Karl Meinetshuber war ein fairer Verlierer und wir sind bis auf den heutigen Tag gute Freunde geblieben.

Wenn Sie als Texter arbeiten: Bestellen Sie sich dieses Buch. Wenn Sie Texter werden möchten: Bestellen Sie sich dieses Buch. Wenn Sie als Kunde Texte beurteilen sollen: Bestellen Sie sich dieses Buch. Und schreiben Sie gutes Deutsch, kein Denglish! Mehr sog i net . . . (Kompliment auf niederbayerisch)

Meine Bewertung:

Textstil: Klar, verständlich, immer das richtige Wort gewählt
Inhalt: Ausführlich und logisch nachvollziehbar, faktenreich
Gliederung: Als Seminarbuch gegliedert, viele praktische Übungen, didaktisch perfekt
Gestaltung: Ein klares Layout, große Schrift, gute Typografie

GESAMTBEWERTUNG: Das beste Werk, das er derzeit zu diesem Thema gibt. Gibt jedem Texter immer wieder die Richtung vor.

Stefan Gottschling
Werbetexten - Das Trainingsbuch
SGV Verlag, 120 Seiten, € 39,00

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