Highway to Brain or „Highway to Hell”?

Reportage vom Neuromarketing-Kongress in München: 25. April 2018 in der BMW-Welt

Es war ein höllisch guter und aufregender Kongress, zu dem ich eingeladen wurde. Höllisch gut deshalb, weil ich selten eine solch geballte Kompetenz an erstklassigen Referenten erlebt habe; an einem Veranstaltungsort, (BMW-WELT) den man nicht hätte idealer wählen können. Und mir ist klar geworden, überdeutlich und „alternativlos“: Für Unternehmen, die sich nicht rechtzeitig digital aufstellen, wird der Weg unweigerlich in die Hölle (=Abstieg in die Liga der Verlierer,) führen. Bekanntlich führt aus dieser Position kein Weg mehr nach oben. 

Neuromarketing – richtig verstanden und konsequent umgesetzt – lässt unser „klassisches Marketingdenken“ alt aussehen. Und der überwiegende Teil unseres sogenannten Online-Marketings gehört auf den Friedhof der kurzen Internet-Geschichte! Doch lassen Sie mich einige „Highlights“ dieses Kongresses hier kurz beleuchten; über den ganzen langen Tag zu berichten, das würde den Rahmen dieses Blogs sprengen. Und Infos zu den einzelnen Themen liefert Ihnen gerne der Veranstalter: www.nymphenburg.de oder www.haufe.de

„Einsame Thesen“ von Manfred Spitzer.
Vernetzung macht einsam, sagt der bekannte Autor Prof. Dr. Manfred Spitzer. Und je mehr unser Gehirn digitale Impulse empfängt, desto kleiner wird es; die Fähigkeit Zusammenhänge in unserem Denken herzustellen, schwindet. Was also tun? Sollen wir das das Internet abschalten, die Social-Media-Kanäle stilllegen, weil sie auch viele negative Entwicklungen mit sich bringen? Zum Beispiel lassen sich dadurch Wahlen manipulieren und Fake-Nachrichten in Windeseile verbreiten. Wobei auch das keine neue Erkenntnis ist, denn schon Mark Twain hat einmal gesagt: „Eine Gerücht ist um die Welt gelaufen, bevor sich die Wahrheit den Schuh angezogen hat.“ Negative Eigenschaften sind jedoch ausschließlich bei Menschen zu finden; Maschinen und Technologien sind so unschuldig wie neugeborene Kinder.

Neuromarketing-Kongress in München 2018
Manfred Spitzer in seinem Element; negative Erkenntnisse sind sein Geschäftsmodell.

Nichtstun macht kreativ: Hab ich immer schon praktiziert.
Lernen wir also mit den neuen Techniken vernünftig umzugehen, vielleicht hilft hier der Rat von Prof. Christian Montag: „Ich habe mir eine Uhr gekauft, dann schaue ich weniger oft auf mein Smartphone. Weil unser Gehirn dann kreativ wird, wenn wir nichts tun. Smartphones sind Kreativitäts-Hemmer, ohne Frage.“ Exzessive Smartphone-Benutzung verändert den motorischen Cortex im Gehirn, sprich: unser Gehirn wird fauler, lethargischer. Also auf geht’s: Smartphone öfter wegsperren, dafür Sport treiben oder Freunde treffen! Oder beides!

Innovative Experimente und unser Markendenken.
Neue Erlebnisse braucht das Land.
Danny Franzreb, Professor an der Hochschule Neu Ulm beweist mit vielen eindrucksvollen User-Experimenten: Das herkömmliche, eher „statische“ Markendenken ist – zumindest teilweise – überholt. Denn Kunden erwarten von Markenunternehmen heute: „Erlebnisse, Erlebnisse, Erlebnisse“. Marken müssen starke Emotionen auslösen, Markenunternehmen müssen Ihre Produkte „erlebbar“ machen. Die Technik hilft dabei, ist aber nicht Selbstzweck!

Neuromarketing-Kongress in München 2018
Danny Franzreb glänzt mit vielen Erlebnis-Ideen.
Seine These: "Kunden bewerten Erlebnisse weniger kritisch als Produkte"

Innovative Techniken und alte Wahrheiten.
Das „Lächeln“ verkauft.
Zaubert Ihre Website, ein Lächeln auf das Gesicht des Betrachters? Wenn Sie (noch) eine rein statisch aufgebaute Website haben, so gelingt das nicht. Das zeigte der Referent Ralf Pispers eindrucksvoll mit praktischen Beispielen. Eine statische Website kann keine Emotionen auslösen und sogenannte Spiegelneuronen im Gehirn aktivieren, also keine Empathie beim User (=möglicher Neukunde) herstellen. Weitere Erkenntnisse: Der Blick des Users ist bei statischen Websites unruhig und er sucht nach Ankerpunkten, er hat somit Schwierigkeiten, sich zurecht zu finden. Multisensorische Websites wiederum, in denen Menschen agieren, zaubern ein Lächeln auf das Gesicht des Betrachters. Und das „Lächeln“ verkauft; das wiederum ist eine alte Verkäufer-Wahrheit.

Neuromarketing-Kongress in München 2018
Ralf Pispers bringt es auf den Punkt: Statische Homepages sind von vorgestern.

Neuromarketing-Kongress in München 2018Neuromarketing-Kongress in München 2018
Beispiel einer Website, die Spiegelneuronen im Gehirn auslöst.
Und ein Lächeln hervorruft. Probieren Sie es aus: www.alarmkittel.de

Meine Wahrheit für Sie: Schalten Sie Ihre „alte“ statische Website ab. Weil sie – letztlich – nicht mediengerecht gestaltet ist. Und somit auf den Friedhof der Internet-Geschichte gehört. Sie möge in Frieden dort ruhen...

Digital fatal: „Vormundschaft“ ist nicht cool.
Ich habe eine Weile gebraucht, um die Bedeutung des Aktions-Mottos „Curated Shopping im Netz“ sprachlich erfassen zu können. Google und schließlich der Duden haben mir dabei geholfen. Damit ist in etwa gemeint „Einkaufen mit einem Treuhänder oder Vormund“. Seien wir einmal ehrlich: Es ist schon nervig, seine Lebenspartner beim Shopping zu begleiten, wer braucht dabei einen Vormund, oder gar Treuhänder? Also war es mehr als logisch, dass ein solches digitales Projekt scheitern musste, was Frau Dr. Gabriele Castegnaro, vom Modehaus Konen auch sehr freimütig eingestand. Dirk van Vliet von Agaro kommentierte das so: „Technologie ist nicht die Antwort allein, wir brauchen auch in Zukunft die menschliche Inspiration“. Ich ergänze: Wir brauchen die menschliche Inspiration und Kreativität in Zukunft umso mehr. Sonst sind wir – Unternehmer, Marketing-Experten, Führungskräfte und IT-Spezialisten - geradewegs auf dem „Highway To Hell.“

Neuromarketing-Kongress in München 2018
Gabriele Castagenaro: Gibt Schlimmeres als nützliche Fehler.

Ich wünsche Ihnen das Gegenteil davon. Und kommen Sie zum Euro-Marketing-Kongress 2019: Wat mutt, dat mutt, eben: in diesem Sinne herzliche Grüße aus München

Ihr Sebastian G. Renner 
marketing akademie mittelstand

 

Themen: Sehr gut gewählt, ein bunter Mix, sehr hohe Aktualität
Referenten: Sehr kompetent, sehr fundierte Vorträge, bzw. Präsentationen
Organisation: Perfekte Organisation trotz sehr hoher Beteiligung (ca. 600 Besucher)
Unterlagen: Kaum Unterlagen, Präsentationen sollen jedoch folgen
GESAMT: Wer im digitalen Marketing weiterkommen möchte, (und wer muss das nicht?) der muss zu jeder dieser Veranstaltung kommen; Pflicht!