„Lass die Leute machen...“

Reportage vom Familien-Unternehmertag 2019 in Nürnberg 

Diesen Appell richtete Gerd Hofrichter, Leiter Unternehmenskommunikation der Konditorei Junge GmbH an rund 150 mittelständische Unternehmer, allesamt Führungskräfte die zum alljährlichem Familien-Unternehmertag des Weissman-Institut nach Nürnberg angereist waren. Diesen Appell gebe ich gerne an meine Leser weiter, ebenso die Empfehlung: Kommt zum nächsten Familien-Unternehmertag im Mai nächsten Jahres! Weil dort tolle Erfolgsgeschichten kommuniziert werden, vorgetragen von Unternehmern, die leidenschaftlich und authentisch über ihre Erfahrungen und Erkenntnisse berichten. Und: Zum Nachmachen empfohlen!

Reportage vom Familien-Unternehmertag 2019 in Nürnberg

 „Lass die Leute machen...“ aber wie?

Jeder spürt es, jeden Tag: Die Welt verändert sich und das nicht gerade langsam; die Welt ist – um einen Fachbegriff zu strapazieren – VUCA geworden. (V = Volatilität, U = Unsicherheit C = Komplexität, A = Mehrdeutigkeit). Für uns Menschen eine sehr ungewohnte Herausforderung, denn wir alle sind lineares Denken gewohnt. Und nun treffen wir auf eine Welt – es ist unsere Welt – die sich exponentiell verändert. Und damit gewachsene Unternehmenskonzepte und bewährte Organisationsstrukturen sehr „alt“ aussehen lässt und in der Folge sogar radikal zerstört. Die Devise für alle Unternehmen muss daher lauten: Anpassungsfähigkeit entwickeln und das ohne Wenn und Aber! Aber wie: Zusammen mit den Mitarbeitern natürlich, durch aktives Ideen-Management und das Ausschalten der Blockaden, welche notwendige Innovationen verhindern! Wie das geht, hier einige ausgewählte Beispiele:

Reportage vom Familien-Unternehmertag 2019 in Nürnberg
Familien-Unternehmertag Weissman 2019

„Be different, or die! (Holger Raithel)

So deutlich sagte es Holger Raithel, GF der Porzellanfabrik Kahla, einem Familienunternehmen in 5. Generation. „Weil sich die Essgewohnheiten ständig verändern und die Esskultur sich rückläufig entwickelt, müssen wir innovativ sein. Alle unsere Mitarbeiter sind es, und es macht ihnen richtig Spaß. Durch ihre Kreativität (teilweise von externen Designern unterstützt) ist es uns gelungen, neue Maßstäbe zu setzen. Wir haben unzählige Design-Preise gewonnen und besitzen sogar patentierte Alleinstellungsmerkmale für unser Porzellan; es ist Porzellan für die Sinne“ (Claim). Und seine Botschaft zum Schluss: „Die Marke ist die Erfolgsbasis.“

Reportage vom Familien-Unternehmertag 2019 in Nürnberg
Holger Raithel, Geschäftsführer KAHLA Thüringen Porzellan GmbH
Foto: „Hendrik Fuchs"

„Riskiere, Du selbst zu sein.“ (Sabine Asgodom)

Riskiere auch zu scheitern, aber auch: glücklich zu werden, so das Credo von Deutschlands wohl bester Motivationstrainerin Sabine Asgodom. Es fällt mir richtig schwer, die Atmosphäre in Worte zu fassen, die Sabine Asgodom in einigen Minuten herbeizaubern kann. Dabei räumt Sabine Asgodom mit einigen bekannten Marketing-Weisheiten gründlich auf. Ihrer These nach, werden in Zukunft weder die Großen die Kleinen fressen, noch die Schnellen die Langsamen überholen; nein: Die Unternehmen werden in Zukunft Erfolg haben, die mit Menschen besonders gut kommunizieren können. Asgodoms Methode lautet: S. E. E. L. E. = Selbstführung. Empathie. Enthusiasmus. Liebe. Elan. Und diese Methode ist weder an Größe, Kapitalkraft oder Macht gebunden, jeder kann sie anwenden! Also, keine Ausreden mehr!

Reportage vom Familien-Unternehmertag 2019 in Nürnberg
Sabine Asgodom, Trainerin

„Die Unternehmenskultur ist der Erfolgsfaktor.“ (Johannes Schulz-Hess)

Wie überlebt ein Unternehmen nahezu 400 Jahre? Verheerende Kriege, gesellschaftlichen Wandel, Weltwirtschaftskrisen... das schilderte sehr anschaulich der Geschäftsführer des Familien- Unternehmens KASPAR SCHULZ. Schulz ist die älteste Brauereimaschinenfabrik der Welt und beliefert die ganze Welt mit vollautomatischen Brau-Anlagen. Doch diese Kompetenz allein, hätte den Fortbestand dieses Unternehmens nicht gesichert; Schulz hat sich daher weiter entwickelt und gilt heute als innovativster Systemanbieter für beste Biere. Denn was nützt es dem Kunden, eine wunderbare Technik zu bestellen, wenn die Marktchancen nicht gegeben sind. Schulz liefert daher Ideen, wie seine Kunden im Markt bestehen und wachsen können. Ungewöhnlich für ein technisch orientiertes Unternehmen? Nein, die innovative Unternehmenskultur von Schulz garantiert diesen einmaligen Wettbewerbsvorteil.

Reportage vom Familien-Unternehmertag 2019 in Nürnberg
Johannes Schulz-Hess, Geschäftsführer KASPAR SCHULZ

„Digitalisierung heißt: Wir müssen lernen, wie Kinder lernen.“ (Benjamin Bauer)

Woran scheitern so manche ehrgeizig begonnene digitale Projekte? Oder: Warum werden solche Projekte oft falsch begonnen und verteuern sich entsprechend? Der lebendige Vortrag von Benjamin Bauer lieferte mir eine plausible Antwort auf diese Fragen: Wir alle sind in unseren alten „Denkmustern“ gefangen! Digitalisierung ist kein Zusatzinstrument, sondern das Instrument schlechthin! Und deshalb mein Rat an Unternehmer und Führungskräfte. Lernt die immensen technischen Möglichkeiten kennen, welche die Digitalisierung bietet. (ZOLLHOF ist da ein guter Ansprechpartner). Und dann, nicht früher, gebt den Startschuss für eine digitale Strategie. Sonst ist Frust programmiert und das Zitat von Nietzsche wird zur Wahrheit: „Erfahrungen sind gleichzeitig auch Gefängnisse...“ In diesem Sinne: Viel Glück und Erfolg.

Reportage vom Familien-Unternehmertag 2019 in Nürnberg
Benjamin Bauer, Geschäftsführer ZOLLHOF

„Lass die Leute machen“ … so geht’s in der Praxis! (Dr. Alexander Koch)

Zuletzt kommen jetzt die entscheidenden Fragen und diese stelle ich an Weissman, als Projektleiter für eine agile Organisationsentwicklung: Wie macht man es in der Praxis? Welche Methoden/Ideen/Instrumente haben sich bewährt? Wie gelingt es, die Lethargie zu besiegen? Es sind ganz einfache Ideen und Instrumente, um eine eingeschlafene Unternehmenskultur aufzuwecken. Zunächst müssen die Führungskräfte davon überzeugt sein, dass nur eine agile, von Hierarchien befreite Organisationsstruktur den Weg frei macht, an die vielen schlummernden Ideen der Mitarbeiter heran zu kommen; absolute Zurückhaltung ist hier oberstes Gebot, gilt besonders für die Chefs. Und dann müssen gezielt Freiräume für Mitarbeiter geschaffen werden, Fehler dürfen nicht sofort sanktioniert werden. Freiräume schaffen, das heißt, die Kommunikation der Mitarbeiter muss durch viele kleine Zusammenkünfte gefördert werden. Crossfunktionale Teams sollen Ideen und Innovationen entwickeln, bei denen der vorher definierte Kundennutzen immer im Vordergrund steht. Klingt einfach? „Das Einfache ist schwer zu machen“, sagte einst Bertold Brecht. Doch es muss einfach sein, weil letztlich die Unternehmenskultur in allen seinen Facetten über den Erfolg entscheidet.

Reportage vom Familien-Unternehmertag 2019 in Nürnberg
Dr. Alexander Koch, Partner WeissmanGruppe     

Schlusswort von mir: Ich war mehr als erstaunt, welche einfachen Mittel zu einer lebendigen Unternehmenskultur führen. Lass uns also machen. Viel Glück dabei! 

Reportage vom Familien-Unternehmertag 2019 in Nürnberg
Moritz und Arnold Weissman, Geschäftsführung Weissman 

 

BEWERTUNG: 
Themen: Gut gewählt, guter Querschnitt. Das Programm war etwas umfangreich. 
Referenten: Sehr positiv, dass die Mehrzahl der Referenten Praktiker sind. Insgesamt recht gute, teilweise exzellente Referenten. 
Organisation: Freundlich und unaufdringlich; gut! 
Unterlagen: Keine Unterlagen über die Vorträge, können jedoch angefordert werden. 
GESAMT: Ein wichtiger Kongress, für Unternehmer und Marketing-Verantwortliche unentbehrlich. Findet auch im Jahre 2020 wieder statt. (www.weissman.de)

Fotos: Weissman.Institut                          

 

Ihr Sebastian G. Renner 
marketing akademie mittelstand