„Mut tut gut!“

Reportage vom Familienunternehmertag des Weissman-Instituts im Schindlerhof.

Wo in aller Welt trifft man über 200 mutige mittelständische Familienunternehmer/innen? Weit muss man nicht fahren, um diese illustre Gemeinschaft kennen zu lernen. Der Weg führt zum Hotel Schindlerhof in Nürnberg, ein idealer Tagungsort und ein Muster-Betrieb für Serviceinnovationen. Und auch der Initiator des Familienunternehmertages, das Weissman-Institut, ist wie kein anderes Beratungsunternehmen prädestiniert, diese exklusive Veranstaltung zu gestalten und durchzuführen. Hier meine (nicht ganz objektive und natürlich unvollständige) Reportage des Weissman-Familienunternehmertages 2016.

Familienunternehmertag des Weissman-Instituts
Johannes Warth in seinem Element. Mut zum Mitmachen!

Johannes Warth, der „Ermutiger“: Was saga denn d’Leut dazu?
Brauchen Unternehmer einen speziellen Überlebensberater, wo es doch Berater gibt wie Sand am Meer? Johannes Warth, geboren im beschaulichen Oberschwaben, hat sich selbst den Titel „Unternehmens-Ermutiger“ gegeben und er praktiziert seine Thesen auf großer Bühne: Spritzig, intelligent und mitreißend. Gleich einem mittelalterlichem Hofnarren zelebriert er unbequeme und dennoch notwendige Überlebens-Strategien einem begeisterten Publikum: Neues wagen, Mut zeigen, die Perspektive wechseln, so seine in beißendem Humor verpackte Botschaft. „Und wenn Dich einer fragt, was saga denn d’Leut zu Deiner Idee, so hör net hin. So macht mans in Oberschwaben! Machs nach und geh mutig voran!“

Familienunternehmertag des Weissman-Instituts
Per Ledermann: Norddeutscher Humor, gründliche Analyse.

Per Ledermann von Edding: „Tinte im Blut“ macht den Norddeutschen Mut!
80% Marktanteil und trotzdem die Aussicht auf eine unsichere Zukunft? So etwas kann passieren und bedroht jedes Unternehmertum weltweit. Und deshalb verschwinden selbst globale Unternehmer-Riesen sang und klanglos, wenn sie allein auf Ihre „Marktmacht“ bauen. EDDING jedoch stemmt sich erfolgreich gegen das Schrumpfen seiner Marktnische, welche durch die Digitalisierung und den Trend zum papierlosen Büro auftreten wird. Obgleich die Norddeutschen als „nicht sehr veränderungswillig bekannt sind“ (Zitat Ledermann) und meist nach dem Grundsatz leben “Wat die Buur nich kennt, dat frett he nich“, ist es Edding gelungen, eine bemerkenswerte Innovation zu schaffen: Vom Marker zum Nagellack, ein Weg, der eigentlich kaum gelingen kann? Doch! Mit norddeutscher Gründlichkeit in der Analyse, viel Mut in der Umsetzung, einer spektakulären Werbekampagne und der Bereitschaft, jeden einzelnen EDDING-Mitarbeiter mit dem Slogan „Tinte im Blut“ zu begeistern und ins Boot zu holen! Laut Ledermann, die schwierigste Aufgabe überhaupt!

Familienunternehmertag des Weissman-Instituts
Michael Metten: „Rheinländer feiern gerne, bleiben aber am Boden“

Dr. Michael Metten: „Beton ist sexy“.
Was in aller Welt, haben die „Männer in Grau“ (so hat man früher die Betonunternehmer genannt) auf Modemessen zu suchen? Oder auf Kunstausstellungen? Einfache Antwort: Sie suchen Inspiration und Ideen für Ihr eigenes Produkt: Pflastersteine aus Beton, jedoch keine solch grauen Fußabtreter, die wir kennen; sondern Pflastersteine mit Design-Appeal, die sich perfekt in das jeweilige Umfeld einfügen. Beton, der die Umwelt attraktiver, schöner und harmonischer wirken lässt. „Hätten wir nur normalen Betonstein hergestellt, so stünden unsere teuren Maschinen schon seit Jahren still“, so Michael Metten, „wir sind im Hochpreissegment angesiedelt und arbeiten in der Produktentwicklung frühzeitig mit Architekten zusammen. So können wir die attraktiven Design-Lösungen, die uns Beton bietet, entwickeln und den Menschen – buchstäblich – zu Füßen legen“. Wie entstehen die Ideen, die den Beton sexy machen? „Wir sind eine bunte Truppe und die braucht Freiheit. Mein Vater hat immer gesagt, nur eine Kultur von innen trägt eine Marke nach außen. Deshalb setzen wir auf bei unserer Unternehmenskultur auf Selbstverantwortung, Vertrauen und Kreativität.“ Und deshalb können Sie auf vielen berühmten öffentlichen Plätzen der Welt, in Museen, Empfangshallen Restaurants, öffentlichen Gärten, sowie in privaten Umgebungen jetzt auf Sexy-Beton von Metten wandeln. Achten Sie mal darauf!

Familienunternehmertag des Weissman-Instituts
Michael Noven killt so manche Darlings

Michael Noven: „Kill your Darlings“.
Darf man sich von einer Vertriebsleiterin trennen, die gute Umsätze bringt? Ja, man muss diesen Schritt sogar gehen, wenn diese Mitarbeiterin sich für „etwas Besseres hält“ und bei Regen im Auto sitzen bleibt, während die anderen Teamkollegen die ACAO-Getränkekisten in den Supermarkt schleppen konnten. Michael Novens Weg in die Selbständigkeit geschah eher zufällig. Weil er seinen damaligen Arbeitgeber wegen unfairen Verhaltens gegenüber Kunden heftig kritisierte, landete er mit seinem Partner auf der Straße. Also entwickelte er den Smart-Drink ACAO, ein veganes Getränk mit natürlichem Koffein, bestehend ausschließlich aus Früchten und erzielt heute mit rund 25 Mitarbeiter einen siebenstelligen Umsatz. Von Anfang an, hat Jung-Unternehmer Michael Noven auf Werte gesetzt: „Wir trinken zusammen, wir packen zusammen, wir überraschen uns, wir teilen unsere Werte und gewinnen.“ Und weiter: „Wir sind Freunde und Freunde verzichten auf den eigenen Vorteil. Freunde gehen gemeinsam durch Höhen und Tiefen. Wir machen keine Geschäfte mit Leuten, die wir nicht mögen.“ Natürlich hat Michael Noven in den wenigen Jahren seit seiner Gründung auch Tiefen erlebt. So musste er sich von einem Mit-Gründer trennen, weil dieser sein Ego höher stellte, als den gemeinsamen Erfolg. Besonders wichtig hält Michael Noven jedoch den Grundsatz: „Kill Your Darlings!" Er steht dafür, dass bei jeder Idee der Markt im Mittelpunkt stehen muss. Und nicht das Ego des Ideenfinders.

Familienunternehmertag des Weissman-Instituts
Hannes Streng: „Nur unter dem Auge des Herrn, werden die Kühe fett“

Hannes Streng: „A Team needs a Dream”
Alle Franken zu OBI-Fans zu machen, das hat sich Hannes Streng, Chef von 16 OBI und Baustoff-Union Standorten vorgenommen. Weil das nur zu schaffen ist, wenn „Adrenalin in die Mannschaft kommt“ hat Hannes Streng ein anspruchsvolles und über Jahre dauerndes Corporate-Culture-Programm durchgezogen. Von Anfang an setzte Streng dabei auf das Engagement und die Kreativität aller Mitarbeiter; alle Ideen zu Verbesserung der Kundenzufriedenheit, die Entwicklung gemeinsamer Wertvorstellungen, die Aktionsideen zur Kommunikation der Werte und vieles mehr wurden von OBI-Teams entwickelt. In vielen Workshops suchten und diskutierten mehr als 500 Mitarbeiter, wie OBI seine Kunden tagtäglich begeistern kann. Die Berater des Weissman-Institutes, die den Prozess begleiten durften, fungierten als Moderatoren und Coaches im Hintergrund. „Die Arbeiten an einer Unternehmens-Vision und eine Leitbild, welche dann auch gelebt werden, können nicht delegiert werden. Um erfolgreich zu sein, braucht es eine hohe Investition an Zeit, Geld und Energie. Wir sind jedoch davon überzeugt, dass dies der einzige Weg ist, zur nachhaltigen Sicherung unseres Unternehmenserfolges.“ Es waren beeindruckende Beispiele für mich, die Hannes Streng gezeigt hat. „Alle Franken sind OBI-Fans“. Ich wünsche ihm, dass dieser Leitspruch seine Wirkung entfacht und das Engagement seiner Mitarbeiter weiter anhält: „Mit Herz, Hand und Verstand begeistern wir unsere Kunden“. Weiter so, ihr OBIaner in Franken. Zum Nachmachen empfohlen, ihr OBIaner außerhalb Bayerns!

Familienunternehmertag des Weissman-Instituts
Arnold Weissman gibt gute Tipps mit auf den Heimweg

Prof. Dr. Arnold Weissman: „Erinnern Sie sich noch an Kodak?“
Zum Ende des Familienunternehmertages ein fulminanter Auftritt des „Altmeisters“ der strategischen Beratung für mittelständische Unternehmer. Seine Eingangsfrage .“Erinnern Sie ich noch an Kodak?“ führte den Teilnehmern drastisch vor Augen: Größe und Marktmacht sind keine Garanten dafür, dass Unternehmen überleben können. Und deshalb zitiere ich hier folgende Thesen, die Arnold Weissman allen Teilnehmern mit auf den (Heim)weg gegeben hat. Nach Weissman wird die Welt in Zukunft: 

  1. Individueller: Die Anforderungen der Menschen nach individuellen und relevanten Lösungen nimmt rasant zu.
  2. Globaler: Globale Verflechtung von Wirtschaft, Politik, Kultur und Umwelt.
  3. Digitaler: Die digitale Welt bestimmt unser Leben in allen Bereichen und ist somit der Motor für Wachstum und Beschäftigung.
  4. Vernetzter: Unternehmer, Käufer, Verkäufer, Produkte, Mensch und Maschine sind zunehmend vernetzt.
  5. Transparenter: Verbraucher treffen autonome Entscheidungen und lösen sich von „Diktat des Marketings“.
  6. Integrierter: Allumfassende und vernetzte, strategische und damit zielgerichtete Kommunikation.
  7. Volatiler: Unser wirtschaftliches Umfeld verändert sich immer schneller und wird dabei zunehmend unberechenbar.
  8. Fazit: Eben anders! Weiter wie bisher kann somit nicht die Lösung sein!

Und mein Schlusswort: Auch die längste Reise beginnt mit dem ersten Schritt . . .

Familienunternehmertag des Weissman-Instituts
Anni Friesinger die Beifall-Weltmeisterin (gemessen 3,5 Minuten)

Anni Friesinger: Ein attraktives Rahmenprogramm!
Die dreifache Olympiasiegerin und vielfache Weltmeisterin im Eisschnelllauf erzählt in charmanten Bayerisch ihren konsequenten Weg zu höchsten sportlichen Erfolgen; sie schilderte auch, welche Niederlagen und Rückschläge sie auf Ihrem Weg hinnehmen und verkraften musste. Spektakulär ihr Sturz bei den Olympischen Spielen in Kanada. Anni Friesinger lebt heute mit ihrem Mann – ebenfalls ein ehemaliger Spitzensportler, jetzt Eigentümer eines Bauernhofes – in Holland; ihre Karriere als Unternehmerin hat sie gerade begonnen. Viel Glück dabei Anni!

Meine Gesamtbewertungen zu der Veranstaltung:

Themen: Gut ausgewählte Themen aus verschiedenen Branchen, jedoch nachvollziehbar für andere Aufgabenstellungen
Referenten: Durchweg sehr gute optische Präsentationen, sehr lockere und humorvolle Vorträge
Organisation: Perfekt und sehr gefühlvoll durchgeführt (ist ja auch das Hotel von Klaus Kobjoll)
Unterlagen: Alle Vorträge sind per PDF zu bekommen, gut zu gebrauchen zum Schmöckern und Ideensammeln
Gesamt: Sehr empfehlenswert für mittelständische Familienunternehmer, ich empfehle, jetzt schon für das nächste Jahr zu buchen

Termin: Freitag und Samstag, 12. und 13. Mai 2017

Kontakt: www.weissman.de

Familienunternehmertag des Weissman-Instituts
Dank an das gesamte Weissman-Team für die Einladung